Hallo Franz, wie kamst du auf die Idee ein Virtuelles Pflegeheim zu erproben?
Ich habe Gesundheitsmanagement in München studiert und dann meinen Master in Gesundheitsökonomie in Bayreuth gemacht. Meine Masterarbeit drehte sich um Virtuelle Pflegeheime und umso mehr freut es mich, dass ich jetzt das Thema beim BRK fortführen und umsetzen kann.
Wie kann man sich das konkret vorstellen?
Ähnlich wie den Telenotarzt. Kurz gesagt: Eine Pflegefachkraft kann mit Ton und Bild in den Pflegealltag dazugeschaltet werden. Wenn beispielsweise eine Pflegehilfskraft eine Frage hat oder sich in einer Situation unsicher fühlt, kann sie sich an die virtuell zugeschaltete Pflegefachkraft wenden. Durch diese erhält sie Anleitung und Unterstützung. Wichtig ist, dass die Pflegefachkraft vor Ort nicht ersetzt, sondern durch eine zusätzliche Pflegefachkraft entlastet wird, beispielsweise durch die Übernahme von Dokumentationen. In Zeiten des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels müssen neue, innovative Ideen ausprobiert werden. In Passau zum Beispiel gibt es bereits ein Pilotprojekt eines Virtuellen Krankenhauses.
Und ein Virtuelles Pflegeheim wirst du nun im Rahmen deiner Projektleitung in der Abteilung Senioren und Pflege erproben?
Genau, das wird das Projekt sein. In meiner Masterarbeit habe ich erforscht, ob ein Virtuelles Pflegeheim theoretisch machbar ist. Jetzt teste ich im Rahmen meiner Promotion und damit diesem Projekt, ob es auch in der Praxis klappt.
Das klingt sehr ausgeklügelt!
Mein Anspruch ist, dass wir mit wissenschaftlichen Standards ermöglichen, dass die Auswertung skalierbar auf die gesamte stationäre Pflege sein wird – für einen echten Mehrwert. Meine Promotion wird von der Universität in Bayreuth begleitet und vom Bayerischen Gesundheitsministerium gefördert, es steckt auch politisches Interesse dahinter.
Die Frage aller Fragen: in welchem Pflegeheim setzt du das Projekt um?
Im Pflegeheim Hofberg des Kreisverbands Landshut. Insgesamt erstreckt sich das Projekt auf drei Jahre. Zunächst erfasse ich den IST-Stand, im zweiten Jahr wird das System getestet und schließlich folgt die Evaluation.
Musstest du denn lange nach einem Pflegeheim suchen, das dein Projekt unterstützt?
Ich bin explizit auf die Suche nach Vorreiter-Pflegeheimen gegangen, die Lust auf Innovationen haben und offen für neue Ideen sind. So kam ich zum Pflegeheim Hofberg und auch der Kreisgeschäftsführer war von Anfang an total offen für das Projekt. Allgemein waren alle vor Ort sehr interessiert gepaart mit einer fachlich-konstruktiven Skepsis. Es gab viele Rückfragen, aber nur so können wir Innovationen voranbringen.
Wer ist noch an dem Projekt beteiligt?
Bis jetzt bin ich eine One-Man-Show. *lacht* Ich bekomme aber Hilfe aus dem Kreisverband Landshut und aus der Abteilung in der Landesgeschäftsstelle. Ich wurde von allen sehr herzlich und mit offenen Armen aufgenommen. Alle sind sehr interessiert an dem Projekt. Im zweiten Jahr, wenn es in die Testphase geht, wird eine Pflegefachkraft das Projekt ergänzen, die virtuell die Tätigkeiten im Pflegeheim unterstützt, anleitet oder delegiert – der Kern des Projekts.
Was willst du in einem Jahr erreicht haben wollen?
Dass wir eine gute Grundlage haben für die Pilotierung im zweiten Projektjahr. Ich möchte dann sagen können, dass wir motiviert ins Ausführungsjahr starten können.

