Es ist einer dieser Dienste, bei denen man schnell versteht, warum es neue Antworten in der Notfallversorgung braucht.
BRK-Landesarzt Dr. Florian Meier steigt für einen Tag nicht als Beobachter aus der Ferne ein, sondern ganz nah dran: als Praktikant auf dem Rettungseinsatzfahrzeug, kurz REF, und damit an der Seite von Notfallsanitäter Andreas Bauer.
Der Melder geht – und führt das heute ausnahmsweise zweiköpfte Team auf ein Supermarktparkplatz. In einem Auto eingesperrt: ein 1,5-jähriges Kind. Die Eltern hatten die Türen geschlossen, der Schlüssel lag noch im Fahrzeug – dann verriegelte sich das Auto. Der Notruf 112 wurde verständigt – die Feuerwehr entsandt. Wo sonst ein Rettungswagen mitgeschickt werden würde, wurde hier das Rettungseinsatzfahrzeug entsandt.
Routiniert wird das Fahrzeug von der Feuerwehr geöffnet, das Kind kurz untersucht. „Alles gut“, stellt Notfallsanitäter Bauer fest. Das Rettungsmittel ist schnell wieder frei.
Später ein Einsatz, der zunächst weniger dramatisch klingt – und doch genau zeigt, worum es beim REF geht.
Gemeldet ist eine präkolaptische Person. Vielleicht zu wenig getrunken, so die erste Einschätzung. Also fährt nicht automatisch ein Rettungswagen los, sondern das REF: ein erfahrener Notfallsanitäter, der vor Ort prüft, was wirklich gebraucht wird.
Auf der Terrasse sitzt die Patientin mit Angehörigen. Die Vermutung bestätigt sich: zu wenig Flüssigkeit, exsikkiert, Kreislaufprobleme. Andreas Bauer nimmt sich Zeit. Blutzucker messen. EKG schreiben. Vitalparameter erheben. Medikamentenplan prüfen. Fragen stellen. Zuhören. Einordnen. Beruhigen.
Am Ende muss niemand in die Klinik. Die Patientin ist nicht mehr besorgt, sondern nunmehr versorgt. Die Angehörigen wissen Bescheid – und gemeinsam wird klar besprochen, worauf künftig zu achten ist.
Genau darin liegt die Stärke des REF: Es bringt medizinische Kompetenz schnell dorthin, wo sie gebraucht wird. Es schaut genau hin. Es entscheidet, ob ein Rettungswagen wirklich notwendig ist. Und es schafft dort Entlastung, wo der Rettungsdienst längst unter steigendem Druck steht.
Der Rettungsdienstbericht Bayern 2025 zeigt: Die Zahl der Notfalleinsätze ist landesweit in den vergangenen zehn Jahren um 28 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist die Transportquote mit Rettungswagen von 73 auf 68 Prozent gesunken. In Regensburg zeigen die Erfahrungen mit dem REF: Bei etwa einem Drittel aller REF-Einsätze kann auf einen Rettungswagen verzichtet werden, weil die Patientinnen und Patienten vor Ort vollständig versorgt werden können. Insgesamt bearbeitet das REF rund zwei Drittel seiner Einsätze selbstständig und fallabschließend.
Für Dr. Florian Meier war dieser Tag deshalb mehr als ein Praktikum: „Das REF-Konzept hatte mich schon vor dieser Schicht überzeugt. Umso eindrücklicher war es zu erleben, wie dieses Konzept in der Realität einen echten Unterschied macht. Das Rettungseinsatzfahrzeug ist ein neuartiger Garant dafür, dass Rettungswagen zielgerichteter eingesetzt werden.“
Was nach Statistik klingt, wird an diesem Tag ganz konkret: ein Kind, das schnell befreit wird. Eine Patientin, die nicht unnötig ins Krankenhaus muss. Angehörige, die Antworten bekommen. Rettungswagen, die für den nächsten wirklich lebensbedrohlichen Notfall verfügbar bleiben.
Moderne Notfallversorgung bedeutet nicht immer Blaulicht, Klinik und Transport. Manchmal bedeutet sie: Zeit haben. Genau hinschauen. Vor Ort helfen. Und genau dafür ist das Rettungseinsatzfahrzeug da. Seit Anfang des Jahres übrigens nicht nur in Regensburg im Einsatz, sondern auch in Ansbach, Dachau, Rosenheim und Würzburg.