· Pressemitteilung

Entlastung für den Rettungsdienst: Indienststellung von sechs neuartigen Rettungseinsatzfahrzeugen

Über drei Jahre ist es her, dass die ersten zwei Rettungseinsatzfahrzeuge (REF) in Regensburg in Dienst gestellt wurden. Seitdem hat sich das Einsatzmittel als probates Mittel bewährt, um den Rettungsdienst zu entlasten. Trotz insgesamt steigender Einsätze im Rettungsdienst, ist die Zahl der lebensbedrohlichen Notfälle nahezu gleich geblieben. Nicht jeder Einsatz erfordert einen Transport oder stellt einen lebensbedrohlichen Notfall dar. Bei genau diesen Fällen kommt das REF ins Spiel und soll eine Lücke schließen.

Insgesamt sechs Rettungseinsatzfahrzeuge wurden heute in der Mercedes-Benz Niederlassung in München im Beisein von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in Dienst gestellt und werden neben den zwei bestehenden Standorten im Rettungsdienstbereich Regensburg nun auch zusätzlich an den vier neuen Standorten Ansbach, Dachau, Rosenheim und Würzburg im erweiterten Probebetrieb vorgehalten. Das REF wird dabei mit einer Notfallsanitäterin bzw. einem Notfallsanitäter besetzt und rückt bei Alarmierungen entsprechend dem Einsatzbild aus. Zeichnet sich vor Ort ab, dass widererwarten keine fallabschließende Versorgung möglich und doch ein Transport notwendig ist, so wird ein Krankentransport- oder Rettungswagen sowie ggf. ein Notarzt / eine Notärztin nachalarmiert. In der bisherigen Testphase in Regensburg war das aber nur bei 29% der Einsätze des REF notwendig. In über 71 % der Fälle wäre anstelle des REF ein Rettungswagen entsandt worden, wenn es das REF nicht gäbe.

Das REF ist ein Einsatzfahrzeug, das eine an die Aufgaben angepasste Medizingeräte-Ausstattung, ähnlich der eines Rettungswagens, mit sich führt. Die Ausrüstung wird für den besonderen Einsatz zusätzlich ergänzt, beispielsweise mit einer kraftunterstützten Aufstehhilfe für gestürzte Personen. Für den Einsatz auf dem REF sind erweiterte soziale Fertigkeiten wie auch ein breites Fachwissen in der außerklinischen Akutversorgung wichtig. Daher werden überwiegend diensterfahrene Notfallsanitäterinnen und -sanitäter eingesetzt und entsprechend geschult. 

BRK-Landesgeschäftsführer Robert Augustin betont: „Wir beobachten seit Jahren einen Zuwachs an sogenannten „Low-Code“-Einsätzen, bei denen bereits beim Notruf klar ist, dass keine unmittelbare Lebensgefahr vorliegt. Genau diese Fälle, die nicht bis zum nächsten Hausarzttermin oder zur Ankunft des Kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes warten können,  die Notwendigkeit zur medizinischen Intervention jedoch nicht ausgeschlossen werden kann, entsprechen den Einsatzindikationen des neugeschaffenen Rettungseinsatzfahrzeuges“.

Der Rettungsdienstbericht Bayern 2025 weist landesweit eine Steigerung der Notfalleinsätze um 28% in den vergangenen 10 Jahre auf, während im gleichen Zeitraum die Transportquote mit Rettungswagen von 73% auf 68% gesunken ist. Die Erfahrungen mit den ersten REF in Regensburg zeigen, dass bei etwa einem Drittel aller REF-Einsätze auf den Einsatz eines Rettungswagens verzichtet werden kann, da durch den Einsatz des REF der Patient vor Ort vollständig versorgt werden konnte. Zwei Drittel seiner Einsätze kann das REF selbständig und fallabschließend bearbeiten.

Beispielhafte Einsatzsituationen aus der Pilotphase zeigen, wie das REF bei nicht lebensbedrohlichen, aber akut behandlungsbedürftigen Situationen wirksam unterstützen kann: So wurde etwa eine körperlich geschwächte Patientin nach einem Sturzereignis im häuslichen Umfeld schonend aus einer Zwangslage befreit, anschließend medizinisch untersucht und hinsichtlich sturzvermeidender Maßnahmen beraten. In einem weiteren Einsatz konnte eine akute psychische Ausnahmesituation mit starker Hyperventilation durch Schaffung einer ruhigen Umgebung, strukturierte Betreuung und geeignete Maßnahmen vor Ort stabilisiert werden, sodass keine stationäre Behandlung erforderlich war. Auch bei metabolischen Entgleisungen wie einer beginnenden Unterzuckerung kann das REF durch ergänzende Diagnostik und gezielte Intervention eine schnelle Stabilisierung erreichen und die Patientin bzw. den Patienten sicher begleiten – häufig ohne Alarmierung eines Rettungswagens und ohne Transport in ein Krankenhaus.

„Fehlindizierte Einsätze sind ein echtes Problem im Rettungsdienst“, stellt Augustin fest. „Es kann nicht die Lösung sein, auf immer mehr Einsätze mit immer mehr Rettungswagen zu reagieren. Es braucht niedrigschwelligere Ansätze, wie das Rettungseinsatzfahrzeug, um diese Versorgungslücken zu schließen und gleichzeitig die vorhandenen Rettungswagen für lebensbedrohliche Fälle vor- und freizuhalten. Damit nimmt Bayern eine Vorreiterrolle in der Suche nach Lösungsansätzen für eine bessere rettungsdienstliche Versorgung in Deutschland ein.“

Innenminister Joachim Herrmann betont: „Bayern steht für eine leistungsfähige und moderne Notfallversorgung. Wir investieren in die Zukunft, in die Sicherheit und in die Gesundheit unserer Bevölkerung. Mit den neuen Rettungseinsatzfahrzeugen stellen wir die Notfallversorgung unserer Bürgerinnen und Bürger auch weiterhin auf höchstem Niveau sicher. Der erweiterte Probebetrieb ist dabei ein nächster konsequenter Schritt hin zu einem bayernweiten Einsatz von Rettungseinsatzfahrzeugen. Dafür werden wir uns auch im Bundesgesetzgebungsverfahren zur Notfallreform stark machen.“ 

Die sechs neuen Rettungseinsatzfahrzeuge wurden über eine Fraktionsinitiative der Regierungsfraktionen von CSU und FREIEN WÄHLERN aus dem Staatshaushalt finanziert. Das Fördervolumen beläuft sich auf 900.000 €. 

Die im erweiterten Probebetrieb entstehenden laufenden Betriebskosten werden von den Sozialversicherungsträgern übernommen.