Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation
Landesgeschäftsstelle Integrierte Leitstelle HochFranken (Hof)
Sie sind hier:
Startseite
»
Aktuelles
»
Aktuelle Berichte
»
ILS Leitung besucht Fortbildung für Kommandanten im Lkr. Wunsiedel
ILS Leitung besucht Fortbildung für Kommandanten im Lkr. Wunsiedel
Einmal im Jahr treffen die Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehren und ihre Stellvertreter mit der Landkreisführung zusammen, um sich über aktuelle Themen zu informieren und den Erfahrungsaustausch zu pflegen. Zum fünften Mal hatte Kreisbrandrat (KBR) Gerhard Bergmann eingeladen und zirka 150 Feuerwehrleute aus 64 Wehren folgten diesem Ruf in die Bognerschule nach Selb. Auch die Leitung der Integrierten Leitstelle HochFranken war zu dieser Fortbildung eingeladen und nahm mit Markus Hannweber und dem Systemadministrator Markus Muck an der Veranstaltung teil. Eingangs stellte der KBR die neue Imagekampagne zur Mitgliedergewinnung unter dem Motto "Stell Dir vor, es brennt und alle stehen auf dem Schlauch" vor. Ein weiteres heißes Thema war die geplante Einführung des Digitalfunkes. Da bei der Nutzung des Digitalfunkes durch das Polizeipräsidium München teilweise Gesprächsabrisse festgestellt wurden, beschlossen die Entscheidungsträger bis auf weiteres eine Unterbrechung des ersten erweiterten Probebetriebes. Die planmäßige Fortsetzung des sechsmonatigen erweiterten Probebetriebes im Netzabschnitt München werde es erst nach Behebung der Mängel geben. Um diese Zeit verzögert sich auch die flächendeckende Inbetriebnahme, die nun bis 2015 geplant sei. Da sich der Landesfeuerwehrverband für eine 80-prozentige Förderung der Endgeräte Digitalfunk ausgesprochen hat, sollen auch Tragkraftspritzenanhänger-Feuerwehren diese einsetzen können. Bergmann erläuterte die momentanen Tätigkeitsfelder des Landesfeuerwehrverbandes wie die Erweiterung des Versicherungsschutzes für Veranstaltungen der Jugendfeuerwehren, die Zukunft der Feuerwehrschulen oder die Ausweitung des Feuerwehrführerscheins auf 7,49 Tonnen. Angestrebt werden die Überarbeitung der Förderrichtlinie sowie die Einführung eines Fahrsimulators. Dieser soll, mit Unterstützung der Gemeindeunfallversicherung, Fahrsicherheitstraining für Feuerwehren anbieten. Anschließend informierten Rüdiger Maetzig vom THW Hof und die Kreisbrandinspektoren Armin Welzel und Werner Schachtner über das Schneeräumen von Dächern, die rechtliche Situation für die Feuerwehren, die Zusammenarbeit mit Baustatikern und THW sowie Sicherungsmaßnahmen. Maetzig erklärte die Vorgehensweise bei Schneeräumungen. Ein Einsatzfall bestehe erst bei akut sichtbarer Gefahr für Menschen, Tiere und Sachwerte. Allerdings bestehe kein Anspruch auf Dachräumung, denn die Schneelast auf Dächern sei kein unerwartetes Ereignis und stets kostenpflichtig. Für Schäden an der Dachkonstruktion infolge der Räumarbeiten werde keine Haftung übernommen. Zuvor begutachte ein Baufachberater das Gebäude, um ein sicheres Vorgehen von Einsatzkräften zu gewährleisten. Er informiere über die Schadensituation und berate den Einsatzleiter. Maetzig stufte das Fichtelgebirge in der höchsten Schneelastzone ein und gab zu bedenken, dass vor 2005 erstellte Gebäude eine geringere Tragfähigkeit hätten. Darüber könnten Kreisverwaltungsbehörden Auskunft geben, landwirtschaftliche Gebäude seien allerdings nicht erfasst. Der Referent erklärte, dass zehn Zentimeter lockerer Pulverschnee zirka zehn Kilogramm je Quadratmeter wögen, zehn Zentimeter hoch stehendes Wasser aber 100 Kilogramm. Beim Einsatz kämen noch die Lasten der Einsatzkräfte und deren Ausstattung mit mindestens je 130 Kilogramm dazu. Der erfahrende THW-ler erläuterte die Sicherung der Einsatzkräfte, wobei Kosten keine Rolle spielen dürften. Wichtig sei es auf versteckte Fallen wie Lichtkuppeln oder Photovoltaikanlagen zu achten. Einbauten im Gebäude wie Laufkatzen oder Heizungen beeinflussten die Tragfähigkeit eines Daches ebenfalls. Gebäude könnten auch von innen abgestützt werden, im Notfall seien sie aber konsequent abzusperren. Mit den Worten "Es gibt keinen Grund, eine Einsatzkraft aufgrund eines überlasteten Daches durch Schnee auch nur ansatzweise zu gefährden" endete Maetzig.
Kreisbrandinspektor Armin Welzel referierte über das Sichern auf Dächern, was im gewerblichen Bereich oft leichtsinnig gehandhabt werde. Er stellte Sicherungsmöglichkeiten vor, ging aber auch auf die jeweils damit verbundenen Probleme ein. So dürfe eine Drehleiter nicht als Festpunkt herangenommen werden. Kräne seien zwar ideal, benötigten aber eine spezielle Zulassung für Personen. Sein Kollege Kreisbrandinspektor Werner Schachtner informierte die Versammlung über die neugegründete Unterstützungsgruppe von Baufachberatern, die es bei Einsätzen anzufordern gelte.
Diplomingenieur Christian Frohmader von der Feuerwehr Marktredwitz referierte bei der Kommandantenfortbildung über das Verhalten von Bauteilen bei Bränden. Dieses Thema sei eng verknüpft mit der Frage, warum Gebäude bei Bränden einstürzten. Frohmader erläuterte das Tragwerksversagen von Wänden und Stützen in Ziegelbauweise, Betonteilen in Industriebauwerken sowie das Brandverhalten der weitverbreiteten Gussstützen in Altbauten. Bei Betondecken und -unterzügen in Stahlbeton sei zu beachten, dass Beton und Stahl bei hohen Temperaturen unterschiedlich reagieren. So schmelzen Kunststoffe bei 300 Grad, Stahlbeton verformt sich bei 700 Grad und eine Rußverbrennung erfolge ab 800 Grad. Als sehr gefährlich hätte sich im Brandfall Hohlkammerspannbeton erwiesen, der mit einem schlagartigen Tragwerkversagen reagiere. Ein Stahlträger verliere bei 500 Grad seine Festigkeit. Erstaunlicherweise verhielten sich Holzbalkendecken sehr gutmütig, allerdings verzeichneten sie durch das Aufsaugen von Löschwasser eine massive Gewichtszunahme. Frohmader verwies auf den Brand eines Einkaufsmarktes, bei dem zwischen Notruf und Einsturz des Gebäudes gerade siebzehn Minuten vergangen seien. Der Selber Kommandant Max Schmidt bestätigte dieses Geschehen beim Brand des TTL in Selb vor einigen Jahren, als noch während der Einsatzbesprechung das Dach einstürzte. Kreisbrandinspektor Werner Schachtner regte an, bei der Erstellung von Einsatzplänen auf Baufachberater zurückzugreifen. Landrat Dr. Karl Döhler freute sich über das große Interesse der Feuerwehrleute an der Tagung. Der Landrat dankte den Feuerwehrleuten im Namen der Landkreisbevölkerung für ihren ehrenamtlichen Einsatz. Auch Oberbürgermeister Wolfgang Kreil begrüßte die Aktiven in Selb. Zum Thema Schneelasten stellte Kreil die politische Seite dar. In Selb habe der Stadtrat eine Entscheidung zugunsten der heimischen Wirtschaft getroffen, bis auf eine Ausnahme. Dieser Firma, die ihren Betrieb hätte einstellen müssen, wurde der Einsatz allerdings auch in fünfstelliger Höhe berechnet. Der Oberbürgermeister resümierte, dass in Vergangenheit nicht alle Möglichkeiten der Berechnung ausgenutzt worden seien. Insbesondere die Berechnung von Fehlalarmierungen durch schlecht eingestellte Brandmeldeanlagen sei ein Thema, ebenso die verstärkte Zusammenarbeit, die sich im Zuge der Sicherung der Tagesalarmsicherheit nicht mehr vermeiden lasse. Kreil: "Ob wir wollen oder nicht, wir müssen Wehren zusammenlegen.
Auch der Amoklauf am Gymnasium "Carolinum" in Ansbach war Thema bei der Kommandantenschulung. Stadtbrandrat Horst Settler von der Feuerwehr Ansbach, damals Einsatzleiter vor Ort, rekonstruierte anhand von Orginalaufnahmen der Notrufe vor seinen Wunsiedler Kameraden den Tathergang. Am Vormittag des 17. Septembers 2009 betrat der Täter gegen 8.30 Uhr mit einem Beil, zwei Messern und drei Molotowcocktails bewaffnet das Schulgebäude. Er schleuderte einen Brandsatz in ein Klassenzimmer und schlug anschließend mit dem Beil wahllos auf flüchtenden Schüler ein. Er verletzte eine Schülerin schwer. Eine weitere Schülerin erlitt schwere Brandverletzungen, acht weitere Schüler und eine Lehrerin wurden leicht verletzt. Ein 18-jähriger Schüler, selbst aktiver Feuerwehrmann, verständigte um 8.35 Uhr die Polizei und begann anschließend mit den Löscharbeiten. Der Täter hatte sich zu diesem Zeitpunkt in einer Toilettenkabine eingeschlossen. Als er diese verließ, bedrohte er die Polizisten, die daraufhin das Feuer eröffneten und den Täter schwer verletzten. Settler stellte mit einem Luftbild die Situation dar: Das Gymnasium liegt mitten im historischen Altstadtkern, was die Anfahrtsmöglichkeiten und den Bewegungsspielraum sehr eingeengt habe. Das Messezentrum wurde später zum Hubschrauberlandeplatz erklärt. Im Gymnasium hätten sich zur Tatzeit 690 Schüler und 90 Mitarbeiter aufgehalten. Er selbst sei vier Minuten nach der Alarmierung an der Einsatzstelle gewesen. Im Hauptportal seien ihm einige Hundert Schüler entgegengelaufen, die größtenteils von einem Probealarm ausgingen. Zu dieser Zeit habe sich der Täter noch ungesichert im Gebäude aufgehalten. Settler sprach Empfehlungen aus, die ihm als Einsatzleiter die Arbeit hätten erleichtert können. So befanden sich Schülerlisten im verlassenen Sekretariat, auswärts deponiert wäre ein Zugriff besser möglich gewesen. Er plädierte auch für eine Vorplanung mit festgelegten Aufgaben innerhalb des Lehrerkollegiums sowie eine sichere telefonische Erreichbarkeit des Schulverantwortlichen. Anschließend an Settlers Referat erörterten die Vertreter der Schulen und Gemeinden Konzepte für einen Amokfall. Kreisbrandrat Gerhard Bergmann regte weitere Gespräche und Kontakte an.
Textquelle: z. T. Frankenpost
- ELDIS Verwaltungslinks

