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19.02.2010 - Frankenpost im Interview mit Markus Hannweber (stv. Dienststellenleiter ILS HochFranken)
"Unterstützung des Anrufers ist für uns wichtig"
Notruf | Die einheitliche Nummer 112 für Rettungsdienst und Feuerwehr gilt in Hochfranken mittlerweile seit mehr als einem Jahr. Wie Markus Hannweber weiß, nützen viele auch die 19222.
Herr Hannweber, wähle ich immer und überall 112, wenn ich Feuerwehr oder Rettungsdienst benötige?
Das ist korrekt, zumindest innerhalb der Europäischen Union gilt diese Notrufnummer grenzübergreifend. Egal, wo Sie sich gerade befinden, Ihr Notruf läuft sofort bei der nächstgelegenen Leitstelle auf. Ganz wichtig: Die Notrufnummer 112 immer ohne Vorwahl eingeben - egal ob vom Handy oder Festnetz. Der Notruf 112 ist zudem kostenlos.
Was passiert dann, habe ich sofort einen Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung?
Nein, als Erstes hören Sie die Bandansage "Hier ist der Notruf für Rettungsdienst und Feuerwehr, bitte legen sie nicht auf." Das ist so gewollt, damit die Bürger sofort wissen, dass sie die richtige Nummer gewählt haben und gleich kompetente Hilfe bekommen.
Wie lang muss man dann warten?
Keine Panik - dass sind wirklich nur Sekunden, auch wenn es vielleicht länger erscheint. Sie werden sofort an einen Disponenten weitergeleitet, der die Notrufabfrage übernimmt - und dann kommt Hilfe.
Welche Angaben gehören zur sogenannten Notrufabfrage?
Damit der Disponent am Telefon die richtigen, also die optimal ausgestatteten Kräfte alarmieren kann, sind die Informationen zum Unfall oder Notfall entscheidend. Als Gedächtnisstütze dienen die fünf W. Unsere Mitarbeiter sind dafür ausgebildet, schnellstmöglich alle notwendigen Angaben zu erfragen, um dann die richtigen Einsatzkräfte zu alarmieren. Um schnell ein Meldebild zu erarbeiten, benötigen wir die Unterstützung des Anrufers.
Was ist sonst noch zu beachten?
Seit Juli 2009 lassen sich in Deutschland die Leitstellen von Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei über den Notruf 112 (und 110) nur noch über Handys mit eingelegter und aktivierter SIM-Karte erreichen. Die Regelung wurde eingeführt, um den Missbrauch der Notrufnummer einzudämmen. Gleichzeitig bleibt der Notruf per Handy aber auch dann möglich, wenn etwa das Guthaben einer Prepaidkarte aufgebraucht oder das Handy bei einem anderen Anbieter eingewählt ist.
Was passiert, wenn ich die 112 nur zum Spaß wähle?
Notrufmissbrauch ist strafbar. Beim Disponenten in der Leitstelle wird jede noch so "geheime" Telefonnummer auf dem Monitor sichtbar, sobald es nur klingelt. Wir können deshalb genau nachvollziehen, von welchem Anschluss aus der Anruf abgesetzt wurde. Auf jeden Fall werden dem "Spaßvogel" die Kosten für den Einsatz in Rechnung gestellt. Da können leicht einmal Beträge im fünfstelligen Euro-Bereich fällig werden. Das gilt aber nur für den Notrufmissbrauch! Dies ist bereits im vergangenen Jahr in unserem ILS-Bereich geschehen. Sollte jemand Hilfe rufen, weil er der festen Überzeugung ist, dass jemand Hilfe benötigt und diese Hilfe beziehungsweise das Eingreifen von Rettungskräften dann doch nicht erforderlich ist, dann ist das kein Notrufmissbrauch, und der Anrufer muss auch keine Angst vor Kosten haben.
Was ist eigentlich mit der Rufnummer 19222, die doch bei vielen Bürgern noch im Gedächtnis ist?
Keine Angst, diese wird in den nächsten Jahren noch weiter existieren. Die Rufnummer 19222 läuft derzeit parallel zur 112 in der Integrierten Leitstelle (ILS) Hochfranken auf. Erst wenn alle Integrierten Leitstellen in Bayern in Betrieb genommen sind, wird die 19222 wegfallen. Damit ist aber erst in vier Jahren zu rechnen. Dass sich die Rufnummer 19222 bei den Menschen verinnerlicht hat, wird an den folgenden Zahlen deutlich: Unter der Rufnummer 19222 sind 47 192 Anrufe eingegangen, unter der 112 etwas weniger Anrufe mit 31 448. Diese Zahlen stehen für das Jahr 2009 und nur in der ILS Hochfranken. Das Gespräch führte Sandra Hüttner
Die fünf wichtigen W im Notfall
- Wo ist das Ereignis? Geben Sie den Ort des Ereignisses so genau wie möglich an (zum Beispiel Stadtteil, Straße, Hausnummer, Stockwerk, Besonderheiten wie Hinterhöfe, Straßentyp, Fahrtrichtung, Kilometerangaben an Straßen, Bahnlinien oder Flüssen).
- Was ist geschehen? Beschreiben Sie knapp das Ereignis und das, was Sie konkret sehen (zum Beispiel Brand, Explosion, Einsturz, Zusammenstoß oder Absturz).
- Wie viele Betroffene? Schätzen Sie die Zahl der betroffenen Personen, ihre Lage und die Verletzungen.
- Welche Verletzungen oder Erkrankungen liegen vor? Beschreiben Sie, welche Verletzungen oder welche Erkrankungen vorliegen (zum Beispiel Brüche, starke Blutungen, Amputationen, Atemstillstand, Brustschmerzen).
- Warten auf Rückfragen! Legen Sie nicht gleich auf – der Mitarbeiter in der Leitstelle benötigt von Ihnen vielleicht noch weitere Informationen.
Interview erstellt von Sandra Hüttner (Frankenpost)
Online veröffentlicht von Patrick Süttner (Disponent, Team Öffentlichkeitarbeit ILS HochFranken)
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