Rettungshundestaffeln proben Suche nach Verschütteten
Mit „Such!“ und „Hilf!“ wird Labrador-Hündin Sunny von Leine und Halsband gelassen. Konzentriert dreht der Rettungshund seine Runden auf dem Trümmerfeld, versucht die Witterung eines verschütteten Menschen aufzunehmen. Auf dem Abbruch-Areal der ehemaligen Radbrauerei an der Ichenhausener Straße in Günzburg handelt es sich zwar nur um einen Übungseinsatz, doch die aktuellen und erschreckenden Bilder aus der Türkei zeigen, wie schnell ein Training zum Ernstfall werden kann. Ein schweres Erdbeben hatte am Wochenende den Südosten des Landes erschüttert. Die Regierung geht von bis zu 270 Toten und 1000 Verletzten aus. Doch viele Überlebende konnten aus den Trümmern geborgen werden. Für solch einen Ernstfall übten am Samstag die Retter in Günzburg.
Die Rahmenbedingungen auf dem Abbruch-Areal sind für die Rettungshundestaffeln fast schon einmalig. „Extrem selten haben wir so ein präpariertes Gelände mit extra angelegten Hohlräumen, verschiedenen Schwierigkeitsstufen für die Hunde und teilweise noch erhaltenen Räumen“, freut sich Markus Eckhardt vom Roten Kreuz Bereich Einsatzdienste. „20 Hundeführer von den Rettungshundestaffeln Augsburg, Memmingen, Nordschwaben und natürlich Günzburg sind heute da“, sagt Kai Fuhrmann, Leiter der Günzburger Staffel. Inzwischen zieht Rettungshund Sunny immer engere Kreise, sie scheint eine Lücke zwischen den dicken Betonbrocken und Bodenplatten gefunden zu haben, aus der es nach Mensch riecht. Nur Bellen ist erlaubt. „Diese Hunde sind als Flächenhunde ausgebildet, das heißt, sie zeigen jeden Menschen an, sie werden nicht gezielt auf die Suche nach einer bestimmten Person losgeschickt“, erklärt Fuhrmann auf dem hoch gelegenen Brauerei-Parkplatz mit bestem Überblick über die Suche den Zuschauern, darunter die Familie Bucher, der das Gelände gehörte und Achim Senser, stellvertretender Kommandant der Günzburger Feuerwehr. Jetzt ist sich Sunny sicher, sie bellt laut und vernehmlich vor dem Trümmerhaufen, schnüffelt immer wieder im Schutt herum, um dann wieder weiter zu bellen. „Das sogenannte Verbellen ist die einzige erlaubte Form für das Anzeigen eines Menschen“, sagt dazu der Hundemann auf der Tribüne. Sunny muss so lange bellen und dort warten, bis ihr Hundeführer sie abholt. Sunny wird gelobt, mit Leckerli belohnt und an der Leine weggeführt. Wer jetzt schon die ebenfalls zum Einsatz bereiten Leute des THW zur Bergung losmarschieren sieht, hat sich geirrt. „Ein zweiter Hund muss die Stelle bestätigen“, mahnt Fuhrmann zur Geduld. Schon streicht Schnauzermischling Billy herum, mal die Hundenase schnüffelnd am Boden, dann wieder in die Luft gereckt, zwischendurch ein Blick zum Hundeführer, der an einer gefahrlosen Stelle die Suche leitet.
„Schon 20 Alarmierungen hatten die Hundestaffeln heuer“, merkt Fuhrmann an. Das Team aus Hundeführer und Hund muss alle 18 Monate die Prüfung ablegen. Gefragt sind Theorie, Verweis-Test, also das Verbellen, eine Gehorsamsprüfung und eine Flächensuche im Wald. Zwei Personen müssen innerhalb von 20 Minuten in einem 30000 Quadratmeter großen Waldstück gefunden werden. Mittlerweile hat Billy den richtigen Luftkanal mit Menschenwitterung gefunden und zeigt es durch Gebell an. Jetzt ist es an den Fachleuten des THW, den Verschütteten zu bergen. Von Hand werden Betonbrocken weggeräumt, immer darauf bedacht, dass nichts einstürzt.
Auch Baggerführer Josef Blösch und seine Kollegen von der Abbruchfirma Miller aus Ziemetshausen sind gekommen und schauen genau zu. Haben sie doch das Gelände präpariert und den kleinen Hohlraum für Nicole Lensky-Fuhrmann, so heißt nämlich die „verschüttete“ Person, gebaut.
„Ein dickes Danke an die Bauarbeiter und an den Generalinvestor MTP“, spricht Markus Eckhard vom Roten Kreuz aus. Schließlich wurden die Abbrucharbeiten dadurch zeitlich verzögert, Statiker begutachteten die zum Teil noch stehenden Gebäude, es sollte ja aus demÜbungstag nicht plötzlich ein Ernstfall werden. Unten auf dem Trümmerfeld wird zwischenzeitlich die vermisste Person vorsichtig von THW-Spezialisten auf eine Trage gehoben und zu den Einsatzwagen getragen. Ein Blick hinüber zur Kirchturmuhr zeigt: 30 Minuten, seit Sunny losgeschickt wurde. Die Verantwortlichen sind mit dieser Zeit hoch zufrieden, alles lief nach Plan. Ein Szenario wie hier würde sich den Rettungskräften auch nach einer Gasexplosion oder einem Erdbeben bieten. Die nächsten Stunden trainieren vor allem die Anfängerhunde. Das Bellen vor der gefundenen Person, sicheres Laufen auf kippeligem und rutschigem Baumaterial, die Kommandos der Hundeführer, es gibt viel zu üben. Immer wieder bleiben Passanten am Bauzaun stehen und schauen zu, froh, dass alles nur ein Übungseinsatz ist.
Quelle: Günzburger Zeitung, 24.10.2011
Bild: Sandra Kraus
____________________
- Ihr Bezirksverband
-
Fabrikstr. 2
86199 Augsburg
Tel.: 08 21-90 60 60
Fax: 08 21-9 26 23
info@bvschwaben.brk.de
- Kontoverbindung
-
Stadtsparkasse Augsburg
Bankleitzahl: 720 500 00
Kontonummer: 83 808

